• Mein Yoga Weg MYoga

    MYOGA

    Da es für mich auf meinem Yoga Weg keine Vergangenheit gibt, verfasse ich diesen Artikel in der Gegenwartsform.

    1974, ich bin gerade 15 Jahre alt und komme das erste Mal mit dem Begriff Yoga in Berührung. Ein junger Mann auf einem Plakat. Bloßer Oberkörper, helle Hosen. Er sitzt da, mit gekreuzten Beinen und erhobenen Armen, die Hände über dem Kopf gefaltet. YOGA steht darüber. 1974, eine Zeit, in der man sich fragt ob Yoga vielleicht etwas mit Joghurt zu tun hat. Ich gehe durch Klagenfurt, meiner Heimatstadt und das Plakat verfolgt mich.

    Wenig später lerne ich den jungen Mann kennen, er erzählt von Indien, von bestimmter Ernährung, von Körperhaltungen und vom Atem. Ich weiß nicht wovon er redet, aber ich will es kennen lernen.

    Meine erste Yogalektion erhalte ich in seiner Wohnung. Ich hebe ein Bein nach dem anderen über den Kopf, verdrehe meinen Oberkörper und stelle mich auf den Kopf. All das scheint so vertraut,  als hätte ich nie etwas anderes getan.

    Wenig später heiratet der junge Mann meine Schwester. So bleiben wir in Kontakt. Ich habe das Privileg mit 16 Jahren von einem der ersten Yogalehrer  im deutschsprachigen  Raum, mit dem, heute über die Grenzen hinaus, bekannten Wolfgang Weinzierl (Kleine Anmerkung: Den Namen hat er nach der Scheidung von meiner Schwester behalten, ich gönne ihm das!) in die Geheimnisse des Yoga eingeführt zu werden.

    Der Grundstein zu meinem Yogaweg ist gelegt und er hat bisher nie aufgehört mein Weg zu sein. Gleich nach meinen ersten Wochen bei Wolfgang ziehe ich mich regelmäßig in mein Zimmer zurück und übe täglich stundenlang.

    Schon wenig später zeige ich meinen Bekannten und Freunden, wie schön Yoga ist und bald schon übe ich nicht mehr nur alleine. Ich weiß von dem ein oder anderen meiner ersten „Schüler“, dass sie heute noch auf dem Weg sind und auch als Lehrer tätig sind. Namen möchte ich hier keine nennen.  Wenn einer von euch das hier liest, dann weißt Du Bescheid!

    Mein Beruf als Schauspielerin führt mich oft weg von zu Hause, weg von meinen Freunden und weg von der Yoga Schule die ich regelmäßig besuche. Ich übe in Hotelzimmern, auf harten Teppichen, zu weichen Betten. Vor Schreibtischen und gegen Sofas gelehnt.

    Der Sonnengruß und all die Übungen,  die mir über die Jahre ans Herz und in den Körper hineingewachsen sind, begleiten mich als treue Freunde. Der Bühnenalltag ist hart. Mein Yoga ist mein Refugium. MYOGA. Auch nach langen durchfeierten Nächten fällt es mir nicht schwer die Praxis weiter und weiter zu verfolgen.

    Ungefähr 10 Jahre später schließe ich mich der Gemeinde des Shivananda Yoga an. Sehr strenge Regeln. Kein Kaffee, kein Alkohol, keine scharfen Gewürze und last but not least keine geschlechtliche Liebe lassen mich immer wieder das Weite suchen. Zum Beispiel die rotgewandete und  lebensfrohe Truppe der damaligen Bagwhan- (später Osho genannt)-jünger zieht mich magisch an. Ich meditiere alles durch was da geboten ist. Dynamisches  Schnaufen, rhythmisches Schütteln des Körpers, tanzen und wild brüllen. Vieles ist geboten. Ich lasse mich hineinfallen und treiben. Bis ich eines Morgens aufwache und weiß was mir fehlt: Yoga.

    Mein Yoga. MYOGA.

    Ich mache mich auf den Weg nach neuen Lehrern, probiere vieles aus. Manches liegt mir, manches strengt mich an, manches langweilt mich. Mittlerweile ist Yoga schon lang auch im Westen angekommen.

    Ich lasse mich unter anderem bei Iyengar Yoga von sehr unterschiedlichen Lehrern führen. Iyengar Yoga sagt mir zu. Man arbeitet sehr genau. Man steht stundenlang an Wänden und lässt sich durch Gurte, Seile und Blöcke gestützt und gehalten durch die Asanas tragen. Ich schätze diese Arbeit sehr.

    Es gelingt mir immer wieder auf dem langen Weg des Yoga Freunde und Bekannte die Wohltat des Yoga nahezubringen. Obwohl ich mich nie als Lehrerin gesehen habe. Ich bin  sehr berührt, wenn ich sehe, wie Menschen unter dem  Einfluss von Yoga aufblühen.

    Oft übe ich alleine. Oft sehnt es mich nach einer Gruppe, nach einem neuen Lehrer.

    An dieser Stelle treffe ich auf meinen langjährigen und von mir hochverehrten Yoga Lehrer Reinhard Bögle. Die erste Stunde bei ihm macht mir klar. Hier ist mein nächster Level! Was Bögle lehrt, ist nicht in Worte zu fassen. Man muss es erlebt haben. Ich bin ihm bis heute unendlich dankbar, dass er mich aus dem „Yoga der schönen Form“ wie ich es nennen möchte, herausholt  und mir zeigt, wie ich auf dem Boden stehe, wie ich spüre, wie meine Fußsohlen oder Handkanten beschaffen sind,  oder wie ich es schaffe, die Waden von innen her zu weiten. Bögles Stil hat mich geprägt.  An dieser Stelle möchte ich ihm meine Verehrung und meinen Dank für unendlich viele Stunden der Freude und des Lernens aussprechen.

    Auch der Unterricht bei Reinhard Bögle währt nicht ewig. Ich verlasse die Stadt, anders tritt in den Vordergrund.

    Im Jahr 2004 bin ich an einem Punkt an dem ich denke, Yoga würde mir nichts neues mehr bieten und widme vielen anderen  interessanten Disziplinen. Feldenkreis, Alexander Technik, Reiki, Shiatsu, Taichi, Contact Dance um nur ein paar zu nennen.  Und um die Muskulatur nicht zusammenfallen zu lassen melde ich mich auch bei Kieser Training an.

    An einem kühlen Oktobertag steht ein altes Fahrrad vor dem Kieser Studio. Über dem großen Lenker ein Schild aus Pappkarton angebracht: WOYO – Workout Yoga. Ein Studio hat neu eröffnet.  Ich stolpere hinein und lerne eine mir bis dahin völlig fremde Welt des Yoga kennen. Schöne Menschen in schönen Räumen lernen Yoga. Zunächst bin ich von dem allen etwas abgeschreckt. Aber ich sehe sehr schnell, die Chefin Sonja Söder hats drauf. Sie unterrichtet etwas sehr Gehaltvolles. Die Frau weiß, was sie tut, denke ich gleich nach der ersten Stunde. Ich lasse mich 2005 von ihr zu Trainerin ausbilden.  Ich bin stolz ein Zertifikat vorweisen zu können. Obwohl ich weiß, dass man kein Zertifikat braucht, um Yoga weiterzugeben. Aber es ist gut, um den Verstand zu beruhigen.

    Seit der Zeit unterrichte ich regelmäßig Yoga in München. Ich kenne die Großbetriebe der Fitnessclubs, die Einzelstunden bei den Schülern zu Hause, die kleinen und mittleren Gruppen mit Anfängern und Fortgeschrittenen in einer Klasse.  Ich möchte sagen, ich nähere mich jeder Gruppe oder jeder Einzelperson jede Stunde aufs Neue intuitiv. Ich schwinge mich vor der Stunde ein auf die Gruppe ein und starte erst dann mit der Stunde. Das geschieht in wenigen Augenblicken. Meist ist sonnenklar, wo es lang geht, manchmal muss ich darum ringen, dass es eine „gute“ Stunde wird. So kommt es, dass man bei mir sehr unterschiedliche Yoga Sessions erleben kann. Manchmal ist Lethargie im Raum, dann muss ich entscheiden. Braucht die Gruppe nun Dynamik oder gehe ich noch tiefer in die Schwere hinein mit ihnen. Die Entscheidungen treffe ich nicht mit dem Versand. Es entsteht etwas, dass sich meiner Kontrolle entzieht. Ich erlaube mir nicht, zu sagen ob dieser Weg richtiger ist, als einen strickten Konzept zu folgen.  Hier möchte ich kein Urteil fällen. Aber ich weiß, für mich ist es die Form, die zu mir passt. Und ich vertraue darauf, dass die Schüler, die zu mir passen, zu mir finden

    Ich werde oft gefragt, warum ich die Stunden MYOGA nenne. Ich habe keine logische Erklärung dafür.

    Namaste, ich freue mich Sie/Dich in einer meiner Stunden zu treffen.

    Barbara

     

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